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11.07.2019

Bericht: Hospitation im Kindergarten

Morgens um halb 8 im Kindergarten. Die pädagogischen Fachkräfte sitzen zusammen, plauschen und trinken Kaffee, während die Kinder sich im Hintergrund selbst beschäftigen und spielen. Doch trifft diese wohl längst überholte Vorstellung heutzutage noch zu? Um hinter die Fassade blicken zu können, hatten wir Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter die Chance am 11.07.2019 in einem Kindergarten zu hospitieren.

Ziel war es, den Alltag und die Arbeit im Kindergarten kennenzulernen. Der Schwerpunkt lag dabei darauf, zu schauen, wie die Kinder im Kindergarten auf den Übergang zur Grundschule vorbereitet werden. Diese Kooperation sollte uns Einblicke ermöglichen, um so unsere Kompetenzen in diesem Bereich zu stärken.
Wir konnten einen Vormittag den Arbeitsalltag der Kindergärten selbst betrachten und wurden in den Einrichtungen herzlich empfangen und integriert. Je nach Konzept der Einrichtung haben die Kinder unterschiedliche Tagesabläufe. Allen gemeinsam ist allerdings die Zeit zum freien Spielen. Was Laien oft als einfache Beschäftigungstherapie erscheint, ist pädagogisch detailreich durchdacht. Das Spiel mit Knöpfen entpuppt sich als Übung fürs Zählen, Sortieren und die simultane Zahlerfassung. Yenga macht nicht nur Spaß, sondern fördert das räumliche Denken und das Verständnis für technische Zusammenhänge. Malen regt die Kreativität an und da echte Kunstwerke von den Künstlern unterschrieben werden, gehört auf jedes Bild der Name. Die Kinder erlernen ihre ersten Buchstaben. Kordeln und die Arbeit mit dem Webrahmen schulen die motorischen Fähigkeiten und die Ausdauer. Mit vielen Spielen, die auf den ersten Blick banal wirken, werden unterschiedliche Vorläuferfähigkeiten angebahnt. Dazu gehört auch, dass Kindern, neben dem wertschätzenden und persönlichen Umgang, auch Regeln und Konsequenzen vermittelt werden. Zudem wird das selbstständige Nachdenken gefordert und die Kinder zum Problemlösen angeregt. Dies und die zunehmende Ritualisierung ihres Tages soll den Kindern den Übergang und den Start in der Schule erleichtern.
Während der Hospitation haben wir erlebt, mit welcher Hingabe und Geduld die pädagogischen Fachkräfte für ihre Kinder da sind und trotzdem die Zeit fanden, uns ihre Arbeitsräume, Konzepte und Materialien zu zeigen. Wir konnten unsere Anliegen und Fragen zum Übergang offen ansprechen und im Austausch wurden verschiedene Aspekte thematisiert. Dass mehrere Faktoren für einen gelingenden Übergang zusammenspielen und gerade die Kooperation zwischen Kindergarten und Grundschule essentiell ist, ist verstärkt deutlich geworden. Somit trifft die Bitte einer Erzieherin: „Wir würden uns wünschen, dass eine engere Kooperation mit der GS besteht, um so Kontinuität zu ermöglichen“ einen beidseitigen Wunsch. Denn neben den vielen wertvollen Eindrücken nehmen wir Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter den Wunsch nach mehr Hospitationszeit mit nach Hause. Trotz der vielen Erfahrungen und Eindrücke hinterbleibt das Gefühl, nur die Spitze des Eisbergs gesehen zu haben. Aber der Grundstock ist gelegt und die überholten Vorstellungen wurden mehr als widerlegt. Ein Klischee allerdings, welches wahrscheinlich auf jeden pädagogischen Beruf zutrifft, wurde bestätigt. Eine der ersten Fragen an uns war: „Wollen Sie einen Kaffee?“


Franziska Mauritz, Seminarsprecherin

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